Die Cronstett- und Hynspergische evangelische Stiftung gehört in Frankfurt zu den größeren wohltätigen Stiftungen. Sie ist dort seit ca. 250 Jahren tätig. 

Der Ursprung der Stiftung geht auf eine adelige Frankfurterin, Justina Catharina Steffan von Cronstetten (1677-1766), zurück. Als Letzte ihres Geschlechts vermachte sie im Jahr 1753 ihr gesamtes Vermögen der von ihr gegründeten Stiftung, die für die Führung und Unterhaltung eines Damenstifts verantwortlich war. Ein Damenstift mit adeligen Stiftsdamen als Bewohnerinnen gibt es heute nicht mehr. Die Aktivitäten der Stiftungen sind aber nach wie vor im Sinne der Stifterin geleitet von christlichen Motiven, vom Dienst am Nächsten, vor allem am Dienst an den Schwachen und Alten. 

Die Stiftung unterstützt eine Vielzahl gemeinnütziger Projekte mit Geld und Ideen. Sie steht hilfsbedürftigen Menschen zur Seite und übernimmt die Initiative für wegweisende Neuerungen im sozialen und kulturellen Bereich. 
 

Geschichte

Die Familie Steffan, aus der die Stiftungsgründerin stammt, kam 1451 aus Bingen am Rhein und nach Frankfurt. Hier erwarb Hans Steffan (✝ 1475) das Bürgerrecht. 1462 wurde er in die Stubengesellschaft vom Haus Limpurg aufgenommen. Er war Großkaufmann und handelte vor allem mit Tuchen und Seide zwischen den Niederlanden und Oberdeutschland. Seine Nachkommen haben diesen einträglichen Großhandel fortgesetzt.

Sein Enkel  Hans Steffan (✝ 1543) war Förderer der Reformation in Frankfurt. Zwei Urenkel waren am Handelsgeschäft in Samt und Seide der Familie Mengershausen beteiligt.

Ende des 16. Jahrhunderts gaben die Angehörigen der Familie Steffan die Kaufmannschaft auf und lebten fortan von ihren Renten und dem Ertrag ihrer Landgüter sowie den Bezügen aus Amtsstellungen. Die Steffan saßen im Rat der Reichsstadt auf der Rats- und Schöffenbank und stellten oft Jüngere und Ältere Bürgermeister, auch den Stadtschultheiß.

Im Jahre 1621 bestätigte Kaiser Ferdinand II. den Reichsadel der Familie als 'Steffan v. Cronstetten' für die Brüder Johann (1575-1624), Ratssenator in Worms, Hieronymus (1577-1639), Schöffe und Stadtschultheiß in Frankfurt, Daniel (1581-1635), Reichspfennigmeister-Adjunkt in Augsburg, und Johann Adolph (1589-1664), Ratsherr und Jüngerer Bürgermeister in Frankfurt. 

Justina Steffan v.  Cronstetten (1677 – 1766), die Stiftungsgründerin, war die Urenkelin von Johann Adolph. Sie blieb unverheiratet. Ihre Geschwister starben schon als Kleinkinder. Sie lebte sehr zurückgezogen in ihrem Elternhaus, dem Kranichshof. Dort übte sie Wohltätigkeit aus, nahm Kinder auf und bot pflegebedürftigen Damen eine Bleibe. 

Das Erlöschen der Familie Steffan v. Cronstetten war abzusehen. Gemeinsam mit ihrer Mutter, die 1736 starb, entwarf Justina einen Plan für die Verwendung ihres großen Familienvermögens. Im Alter von 76 Jahren verfügte sie schriftlich über ihr Vermögen. Sie war dabei von pietistischem Gedankengut, vor allem durch Philipp Jacob Spener, dem damaligen Senior des Frankfurter Predigerministeriums beeinflusst. Justina wollte von dem „zeitlichen Segen, den mir Gott aus Gnaden zugewendet“ eine Stiftung unter dem Namen „Steffan v. Cronstett- und Hynspergische Adelige Evangelische Stiftung“ errichten. Damit sollten zugleich die Namen der Familien, aus denen sie entsprossen „und welche seit einigen Jahrhunderten allhier in gutem Ansehen gestand“, auch fernerhin in Frankfurt in gutem Andenken erhalten werden. 

Das adlige Damenstift, welches kurz nach Inkrafttreten des Testaments im Jahre 1767 am Rossmarkt in Frankfurt errichtet wurde, erlangte schon bald nach Eröffnung die außergewöhnliche Anerkennung durch Kaiser Joseph II., der den Stiftsdamen das Recht gewährte, ein kaiserliches Ordenszeichen zu tragen.

Justina hatte in ihrem Testament von 1753 drei Alten-Limpurger als Testamentsvollstrecker eingesetzt; sie sollten auch die ersten Administratoren der Stiftungen werden. Bis heute stellen die Familien der Adeligen Ganerbschaft des Hauses Alten-Limpurg die Administratoren der Cronstett- und Hynspergischen evangelischen Stiftung.

Das Bild der Stiftung hat sich nach dem 2. Weltkrieg entscheidend geändert. Das Damenstift, das bisher das Kernstück gewesen war, trat zurück. Die von der Stifterin verordneten Werke „zu des Nächsten Nutzen“ traten in den Vordergrund. Der Historiker des Frankfurter Patriziats, Johann Carl v. Fichard, hat in seiner Geschlechtergeschichte Justina Steffan v. Cronstetten als „Wohltäterin aller Familien“ der Ganerbschaft des Hauses Alten-Limpurg bezeichnet. Heute ist sie das für viele Notleidende in Frankfurt und darüber hinaus geworden.